Baustelle
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Ich schreibe diesen Beitrag am 22.1.- er wird aber noch einige Zeit unveröffentlicht bleiben (müssen) um „laufende Verfahren nicht zu stören“ 😉

>>> Ich habe diesen Beitrag jetzt mal „chronologisch“ eingeordnet, damit zumindest halbwegs die Reihenfolge stimmt…

Nein, wir sind nicht bekloppt. Wir nicht! Am kommenden Mittwoch sollte endgültig der bau Antrag eingereicht werden. Unser Architekt hatte noch eine Frage beim Bauamt und in diesem Zuge hieß es „es ist keine Grenzbebauung zulässig“. Hä? Kann ja gar nicht sein. Wir haben die Auskunft, dass eine Baulast besteht, dass man auf die Grundstücksgrenze bauen MUSS. „Ja, das war auch mal so“- hä?

Lutz telefonierte gestern den ganzen Tag, u.a. mit dem Juristen des Bauamtes. am 7.januar 2009 wurde die Baulast gelöscht. Ohne, dass uns das mitgeteilt wurde, ohne irgendeine Information, dass so etwas überhaupt möglich ist. Ich bin immer noch fassungslos, für mich gleicht das einer Enteignung, denn wir haben ein Grundstück, auf dem wir in 7,5m breite bauen durften (nein, mussten!), gekauft und über Nacht ist daraus eins geworden auf dem das Haus nur 4,5m breit sein darf. Ohne Ankündigung, ohne Vorwarnung und vor allem ohne die leiseste Vermutung, dass so etwas überhaupt möglich wäre.

Was, wenn wir nicht selbst geplant sondern einen architekten beauftragt hätten? Dann wären wir jetzt zigtausend Euro los für eine Planung, die wir niemals realisieren könnten, weil das Bauamt über Nacht entschieden hat, dass hier Doppelhäuser doch hübscher wären! Man muss dazu sagen: Wir reden hier von einem Mainzer Vorort mit Industrie, nicht die beste Lage und rundum ist weitestgehend (alte) Reihenhausbebauung, bunt gemischt mit ein paar Doppelhäusern und neuen Mehrfamilienhäusern. was soll das? Reine Willkür vom Amt? Die Art und Weise ist einfach so unglaublich!

Vermutlich sind wir quasi auch noch selbst schuld daran – wir haben das Nachbargrundstück gekauft und hatten mit dem zweiten Interessenten (dem Nachbarn auf der anderen Seite des Baugrundstücks) einen Deal, dass wir ihm einen Meter davon abgeben und den Kaufpreis nicht unnötig in die Höhe treiben, weil wir beide auf das Grundstück „bieten“. Er brauchte nur einen oder zwei Meter, hätte aber auch das ganze genommen, weil er ohne dieses Stück sein Vorhaben gar nicht hätte realisieren können (stand damals) …

Damit hatten wir was wir brauchten und er hatte 3 oder 4 nebeneinanderliegende Parzellen für ein 5-familienhaus. Das Bauamt legte ihm nahe, diese Parzellen zusammenlegen zu lassen und durch diese (meiner Meinung nach) arglistige Täuschung konnten sie ihren plan umsetzen und das Baurecht ändern. Wahrscheinlich warteten sie nur auf diesen Moment, denn sein Bauantrag lag seit Sommer auf dem Amt (normal sind 4-6 Wochen, also schöne Verzögerungstaktik!). Der Bauträger hat gestern auch erst durch uns von seinem Glück erfahren! Und ihn trifft es noch wesentlich härter als uns – er hat 3 der Wohnungen quasi schon verkauft und wird jetzt nie und nimmer irgendetwas lohnenswertes bauen können! Zumal die (Paragraphenreiter-)Tante, die für die Bauanträge zuständig ist, schon angekündigt hat, sie würde strikt nach Bebauungsplan entscheiden, also auch die Möglichkeit nicht zulassen, dass man sich unter den Nachbarn einigt und dann doch auf die Grenze bauen darf.

Verschiedene Anwälte und Fachleute, mit denen Lutz gestern gesprochen hat, sehen kaum eine Chance dagegen anzugehen. Das nervt mich am meisten! Dass sowas in unserem Land rechtmäßig sein soll! Dass willkürlich und von oben herab irgendetwas (nicht Nachvollziehbares) festgelegt wird, das den Bürger schädigt!  Wenn Bebauungspläne irgendwelche städtebaulich relevanten Sachen vorsehen, kann ich das ja alles verstehen (aber auch nur, wenn das auf fairem Weg passiert). Aber in diesem Kuddelmuddel-Mischmaschgebiet kapiere ich nix.

So. Das war die Wut und das Unverständnis. Jetzt wird es positiv! wir haben gestern Abend gleich mal überlegt: Wie geht es jetzt weiter? Schneller (hoffentlich), einfacher, günstiger (preislich), kleiner und damit wahrscheinlich „angemessener“. Das geplante Haus wäre schon ein riesen klotz geworden. Durch die „erzwungene“ Breite von 7,50m, die damit verbundene Notwendigkeit einer Garage unterm Haus, die daraus resultierenden Höhenunterschiede zwischen alt und neu, das nötige zweite Treppenhaus… nach unseren ersten Überlegungen gestern wird die tatsächlich nutzbare Fläche zum Wohnen gar nicht sooo viel kleiner.

Ein paar nette Sachen fallen weg (die tolle Treppe, das sehr breite Wohnzimmer, die große, quadratische Dachterrasse, die Sauna im Bad). Dafür können die Autos und das Boot (für das vorher absolut kein Platz war) jetzt neben dem Haus stehen, Lutz kann den kompletten Keller als Werkstatt bekommen (vielleicht abzüglich eines kleinen sauna-wellness-ecks ;-)), wir haben keine Höhenunterschiede mehr, die Terrasse muss nicht mehr ganz so hoch über dem Gartenniveau thronen und wir hätten alles in allem immer noch viel viel Platz!

Vor allem wäre vermutlich der ganze Bau wesentlich weniger knifflig. Es gab noch so viele Unklarheiten – es war z.B. immer noch nicht klar, wie steil die Einfahrt unters Haus tatsächlich wäre, ob die Stufen zwischen den Häusern 8, 13 oder 18 cm hoch wären… und so weiter.

Jetzt müssen wir aber die ganze Überraschung mal übers Wochenende wirken lassen. Grundsätzlich haben wir nicht den Boden unter den Füßen verloren, sondern sehen auch viele Vorteile. Trotz allem bleibt ein Gefühl von „der Staat (das System, was auch immer) hat uns im Stich gelassen – oder vielmehr: hat uns „gelinkt“ und in dem zusammenhang: Fassungslosigkeit.

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